❤️ Emotionen

Die Magie der Hostellobbys

Was macht den Reiz des Soloreisens aus? Warum arbeiten auch viele freiwillig in Hostels mit? Wie fühlen sich die Vibes dort an? Taucht ein in den Mix von Emotionen, die an einer Hostelbar herrschen.

Hostels sind die Anlaufstelle Nummer eins für alle Soloreisenden wie Backpacker, Abenteuerurlauber, Langzeitreisende und digitale Nomaden. Doch warum ist es so schön, mit all diesen Menschen an einer Bar zu sitzen?

Der wohl wichtigste Punkt ist, dass die meisten Gäste hier mit der gleichen Philosophie herkommen. Sie sind meist Alleinreisende und genau für dieses Publikum wurden Hostels auch ins Leben gerufen. Sie sind quasi die Sammelzentren der Soloreisenden und dienen zugleich mit ihren großräumigen Schlafsälen dem zweiten Zweck, nämlich möglichst günstige Übernachtungen anzubieten und somit lange Reisezeiträume zu ermöglichen.
Ich sage immer, dass man komplett allein oft weniger allein ist, als wenn man zu zweit unterwegs ist. Zu zweit neigt man eher dazu, in der Komfortzone zu bleiben und sich einen Tisch zu zweit zu teilen, während man allein schon fast einen inneren Anstoß verspürt, sich Gesellschaft zu suchen. Der Mensch ist und bleibt ein Rudeltier und in Hostels ist es mit Abstand am einfachsten, auf eine aufgeschlossene Gemeinschaft zu stoßen. Ich kann mich an kein einziges Beispiel erinnern, in dem ein Kontaktversuch in einem Hostel gescheitert wäre.

Doch natürlich liegt das nicht wirklich an den Hostels. Es sind die Menschen, die dieses Flair mitbringen. Diese Menschen bringen die mit Abstand schönsten und wichtigsten gelebten Werte mit, um eine aufgeschlossene, internationale Community zu schaffen: eine gesunde Mischung aus Abenteuergeist und Neugier, doch vor allem Weltoffenheit.

Auch wenn die bereisten Länder oft selbst nicht frei von politischen Konflikten oder Unruhen sind, so ist es trotzdem möglich, dass dort alle möglichen Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen an einem Tisch sitzen und miteinander anstoßen. Wenn man so will, ist das die Kehrseite dessen, was draußen in der Welt geschieht. Auch wenn man sich meist nicht darüber unterhält und lieber an den positiven Vibes festhält, so schwingt die Stimmung dieser Welt doch im Hintergrund mit. Weltoffenheit, Frieden und vor allem ein gesundes Miteinander fehlen noch immer ganz gewaltig.

Zwar sind die Zeiten der Kolonien vergangen, doch leben die Ureinwohner Australiens und Lateinamerikas in Frieden und Gleichstellung? Noch lange nicht. Der Geist der Eroberung und Unterdrückung herrscht bis heute und sorgt für Brandherde. Und wie sieht es in den USA aus? Dort leben nur wenige Ureinwohner in Reservaten und unterliegen einer Regierung, die durch „illegale“ (hat die Indianer damals jemand gefragt?) Einwanderung entstanden ist, in deren Namen aktuell jedoch willkürliche Verhaftungen von Menschen fremden Aussehens durchgeführt werden. Doch nicht nur die Spätfolgen der Kolonien belasten den Frieden. Auch der Russe trägt wieder Waffen in den Händen und der Israeli sowie die Israelitinnen leben dort, wo man sie einst hinschickte, jedoch auch andere Menschen um ihren Lebensraum beraubte, nicht in Frieden.

Diese Aufzählung ließe sich seitenlang fortführen, hinein in Themen wie Schuld, Verantwortung, Politik und Recht. Doch das tue ich nicht. Und das geschieht auch an der Hostelbar nicht. Ich wollte nur andeuten, welch potenzielle Konfliktgeladenheit fast auf der ganzen Welt herrscht – doch an einigen wenigen Orten gibt es das nicht. Ein gutes Beispiel sind die Hostelbars. Hier trifft man auf Menschen, die in kulturellen Unterschieden keine Bedrohung, sondern Gesprächspotenzial sehen. Menschen, die die Geschichte nicht nachtragen, sondern aus ihr gelernt haben. Menschen, die Fremden nicht mit Vorurteilen, sondern mit Neugier begegnen.

Egal, wie dramatisch die politischen Situationen auch sind: Hier an der Hostelbar sitzt die Ukraine mit Russland an einem Tisch. Schwarz und Weiß unterhalten sich, als hätte es nie Spannungen gegeben. Es gibt hier weder Eroberer noch Opfer, keine Kriegstreiber und keine Opposition, kein richtig oder falsch. Hier herrschen nur Weltoffenheit und Menschlichkeit. Denn das Schöne ist: Alle, die keine Lust auf andere Menschen haben – und diese Menschen gibt es in jeder Nation – kommen ganz einfach nicht hierher. Das macht in Summe die Hostels zu einem Fleck, an dem die Welt einfach noch in Ordnung ist, an dem die positiven Vibes dominieren.

Könnt ihr euch vorstellen, wie es sich anfühlt, an einem solchen Ort zu verweilen - oder auch eine Zeit lang freiwillig dort mitzuwirken? Stellt doch einfach mal zwei Beispiele gegenüber. In dem einen Beispiel kommt ihr nach Hause. Es war nicht der beste Tag, ein guter Grund sich mit einem Bier auf die Couch zu setzen und herunterzufahren. Im Fernsehen kommen erstmal lauter schöne Nachrichten, typischerweise zu rund 90% negativer Natur: Konflikte, Unfälle, Skandale, Wirtschaftsschwankungen, Angstmacherei. Was nun? Noch ein Krimi, um den negativen Flow nicht zu unterbrechen? Eine Doku über Krieg? Oder doch etwas Entspannendes, etwas wie Frauentausch, Dummheit und Verwahrlosung konfrontiert mit gegensätzlichen Weltanschauungen?

Im zweiten Beispiel die Heimkehr vom Strand, vom Zimmer fürs mobile Arbeiten oder von der ersten Freiwilligenschicht. Die Lobby des Hostels ist wieder bunt durchgemischt, einige sind weitergereist, viele andere sind angekommen. Manche sitzen an der Bar, sitzen auf der Couch oder warten auf das Check-In. Fröhliche Musik in angenehmer Lautstärke spielt im Hintergrund, am Billiardtisch haben sich bereits die ersten Menschen getroffen. Nun spielt nur noch eine Frage eine Rolle: Wo setze ich mich heute dazu? Zu dem Tisch mit 2 Abiturenten, die gerade über ihre erste große Reiseerfahrungen plaudern? Zu der Dame am Laptop, die gerade ihr Praxissemester im Ausland hinter sich hat? Zu dem braun gebrannten Ausreiser am Billardtisch, der schon seit vielen Jahren unterwegs ist? Sage ich den zwei älteren Neuankömmlingen am Check-In Hallo? Oder setze ich mich heute selbst an die Bar und schaue, was passiert? Egal, wie ich mich entscheide, ich bin gewiss, dass ich wieder einen guten Abend unter gleichgesinnten Abenteurern haben werde, umspült mit den Vibes der Erlebnisse, die jeder an diesem Tag hatte und diese wie eine nie untergehende Sonne mit in den Raum bringt.



 

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