🌍 Reiseerfahrungen

Der grüne Fußabdruck in Asien

Ein Beitrag über Nachhaltigkeit in Südostasien.

Man muss nicht selbst hier gewesen sein, um zu wissen, dass Umweltschutz in Südostasien ein Thema mit Handlungsbedarf ist. So hat jeder schon mal von Smog in asiatischen Großstädten gehört oder Bilder vermüllter Strände gesehen.

Wie ist es tatsächlich? Man kann es nicht beschönigen. Es ist ein großes Thema mit dringendem Handlungsbedarf. An vielen Flüssen kann man aufgrund der in den Büschen hängenden Plastikfetzen ahnen, wie hoch das Wasser dort einst war. Straßengräben ohne Müll sind eine Seltenheit. Einwegverpackungen sind an der Tagesordnung, öffentliche Abfalleimer kaum vorhanden. Auch in Cafés passiert es oft, dass man einfach einen Einwegbecher mit Strohhalm, Tüte und Deckel bekommt. Selbst bei organisierten Reisen, in deren Routine wiederverwendbare Lösungen einfach denkbar wären, bekommt man Wasser in teilweise lächerlich kleinen Plastikflaschen in die Hand gedrückt. Sprich, sowohl die Entstehung als auch die Entsorgung des Mülls ist ein großes Thema.

Was denken die Einheimischen darüber? Meine Erfahrungen hierzu sind sehr unterschiedlich. Ich erinnere mich an eine Frau in Thailand, die frech grinsend sagte, das nächste Hochwasser würde den Müll schon entsorgen, jedoch auch an einen Vietnamesen, der mir sagte, er würde die Leute tadeln, wenn sie ihren Müll in die Natur werfen. In Kambodscha gab es ein Hostel, in dem man pro Tag ein Freigetränk bekam, wenn man am Strand einen Sack voll Müll einsammelte.

Ich habe eine eigene Interpretation davon, weshalb es hier so ist, wie es eben ist.

1.      Gesetzgebung
Hand aufs Herz, fragt mal eure Großeltern, wie es früher war. Freilich gab es weniger Müll, doch auch bei uns, wo der Nachhaltigkeitsgedanke heutzutage schon sehr deutlich vorhanden ist, gab es früher in jeder Ortschaft einfach eine Müllkippe, wo alles entsorgt wurde. Es ist auch noch nicht zu lange her, als kein Auto eine Abgasnachbehandlung hatte. Worauf ich hinaus will, es macht keinen Sinn, mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen und Schuld zuzuweisen. Wären wir nicht etwas weiter entwickelt und hätten wir nicht die entsprechende Gesetzgebung, sähe es bei uns mit Sicherheit auch nicht anders aus. Solange hier also von den asiatischen Gesetzgeber nicht entsprechende Konzepte wie organisierte Abfallentsorgung, Maßnahmen zur Müllreduzierung oder Abgasvorschriften ausgearbeitet und umgesetzt werden, wird sich hier auch nichts ändern.

2.      Die Lebensumstände
Der Müll wird natürlich von den Menschen produziert und landet dort in der Natur. Doch warum? Um das verstehen zu können, muss man sich die Menschen und ihr Leben hier mal genau ansehen. In vielen ärmlicheren Gegenden leben die Menschen noch annähernd als Selbstversorger. Viele von ihnen haben ihr Heimatland noch nie verlassen und haben keine Ahnung von der großen weiten Welt. Die Löhne in diesen Ländern ermöglichen teilweise nur ein Leben an der Armutsgrenze. Luxusgüter und Sachen, die bei uns als Selbstverständlichkeit gelten, gibt es hier oft nicht. So wichtig Nachhaltigkeit und Umweltschutz auch ist, das Thema ist doch ein gewisser Luxus, ein Thema, dem wir nachgehen, wenn wir all unsere anderen Bedürfnisse ausreichend gedeckt haben. Sprich, wenn wir einen sicheren Schlafplatz haben, wissen, was wir morgen zu Essen bekommen, der nächste Urlaub schon gebucht ist und trotzdem noch etwas auf dem Konto hängen bleibt, dann haben wir noch Reserven für solche Themen übrig. Das ist bei den Menschen hier anders. Hier geht es viel mehr um das Überleben. In anderen Worten, hier geht es um den Inhalt der Verpackung und nicht um die Entsorgung der Verpackung. Folglich sieht es eben auch entsprechend aus.

Ja, um den Umweltschutz hier steht es aktuell leider nicht besonders gut. Doch vor gut 70 Jahren war auch bei uns ein Motorrad das Familienfahrzeug, es gab keine bzw. schlechte öffentliche Abfallentsorgung und viele Haushalte lebten als Selbstversorger. Vielleicht brauchen diese Länder einfach noch ein paar Jahrzehnte, bis der Nachhaltigkeitsgedanke auch hier Früchte trägt. Ich hoffe, Mutter Natur wird es ihnen und uns verzeihen.

Apropos uns - was kann ich als Reisender tun? Zunächst mal Hand aufs Herz, zu Reisen ist eine Umweltbelastung, die es so gesehen nicht bräuchte. Es ist reiner Luxus und nichts anderes als Selbstverwirklichung, außer das Essen und Schlafen, das müsste ich zuhause ja auch. Das Effizienteste, was ich tue, ist, so viel wie möglich meine Aluflasche zu verwenden, viele Hostels haben einen kostenlosen Trinkwasserspender. Ansonsten kann ich nur meinen grundsätzlichen Lifestyle beschreiben, nach dem ich bewusst auf Fleischmengen sowie dessen Herkunft achte, immer versuche, nur den "notwendigen" Müll zu produzieren und möglichst nicht im materiellen Überfluss lebe. Doch in Ländern mit fehlenden Nachhaltigkeitsgedanken bleibt es leider schwierig, einen grünen Fußabdruck zu hinterlassen!

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