
Der Ferrari unter den Motorrädern
Die stolze Ducati 1098S, die Superlative einer Erfolgsserie und das schönste Motorrad, das je gebaut wurde. Eine gewagte These? Google Pictures "Schönstes Motorrad der Welt" beweist es euch...
Ducati 1098S - der Ferrari unter den Motorrädern!
Heute gibt es das Höchstmaß an Leidenschaft, welches explodierendes Benzin bei mir auslösen kann und das möchte ich mit euch teilen. Ich bin seit über 7 Jahren bzw. über 60.000 Kilometer leidenschaftlicher Motorradfahrer und fahre mittlerweile meine dritte Maschine. Meine Gefühle zu dieser spiegeln sich am besten in folgendem Zitat wider:
"Selbst mit allem Geld der Welt könnte ich mir kein noch schöneres Motorrad kaufen".
Ich spreche von der wunderschönen Ducati 1098S.
Vor einigen Jahren machte ich eine Probefahrt mit einer 1098S. Ich kann mich noch genau erinnern, wie das Motorrad mit einem ruppigen, widerwilligen Donnern ansprang. Die bassigen Druckwellen aus den 2 fetten Endtöpfen drückten mir auf die Brust und ich hörte das Klirren der offenen Trockenkupplung das erste Mal. Ein Eindruck, der mich 7 Jahre lang immer wieder an dieses Motorrad denken ließ, jedoch immer unter dem Vorwand der Unvernunft verdrängt wurde.
Denn das Motorrad ist einfach in jeder Hinsicht anders.
Kein moderates Vierzylinderschnurren wie in dieser Motorradklasse üblich, sondern dumpfer Zweizylindersound. Doch auch kein klassischer ausgewogener V2-Sound, sondern ein außerordentlich trockener und irgendwie böser Sound. Der Motor schnurrt nicht wie ein Kätzchen, sondern er tobt wie ein in den Gitterrohrrahmen gespannter Stier und wird unterstrichen von der lauten Mechanik der Trockenkupplung. Über diese gibt es nur zwei Meinungen. Entweder, man weiß sie als Alleinstellungsmerkmal zu lieben oder man gehört zu den Leuten, die sagen, sie höre sich an wie ein Sack loser Schrauben.
Doch weg vom Sound und hin zu dem, was sie wirklich zum Ferrari unter den Motorrädern und zur absoluten Superlative einer Erfolgsserie macht. Ducati hatte mit der 916 in den 90er Jahren neue Maßstäbe für das Motorraddesign gesetzt und mit der 1098 kombinierte Ducati diesen Stil mit modernem Design und aggressiver Sportlichkeit. Das Ergebnis ist ein Motorrad, welches alle Alleinstellungsmerkmale, denen die Ducatistis gnadenlos verfallen sind, miteinander vereint. Das ist Ducati einzigartig gut gelungen und zeigt in höchster Perfektion, was die Italiener am besten können, nämlich Emotionen und Schönheit in Ingenieurskunst zu verwandeln. So lädt die 10er mit ihrer zeitlos eleganten Front ein, ihre vielen Kanten und Details zu erkunden. Der markentypische Gitterrohrrahmen endet an der imposanten Einarmschwinge, die einen vollen Blick auf die Marchesini-Felge ermöglicht. Das einmalig schöne und großzügig gestaltete Heck wird unterstrichen von der mächtigen, zweiflutigen Underseat-Abgasanlage. Detailverliebt, wie sie ist, kann man einige Zeit damit verbringen, seinen Blick über schimmernde Karbonteile, goldene Details und die liebevoll eingearbeitete italienische Flagge schweifen zu lassen.
Wie fährt sich dieses Schmuckstück auf zwei Rädern? Mein Modell hat ein abgedrehtes Schwungrad, was ein schnelleres Hochdrehen des Motors ermöglicht und diesen zeitgleich noch ruppiger macht. Wenn man eins mit ihr wird und die Hände an den Lenker legt, spürt man sofort den Puls der Maschine. Jede einzelne Zündung fährt bis ins Knochenmark, so lebendig fühlt sie sich an. Bei gezogener Kupplung ändert sich der Klang, man hört die einzelnen Lamellen nun helltönig rasseln. Dann kommt dieser rote Inbegriff italienischer Emotionen ins Rollen. Dank der Bauart ist die Ducati relativ schmal und daher angenehm kurvenwillig. Während sie dich im unteren Drehzahlbereich noch jede Zündung spüren lässt, fängt sie bei mittlerer Drehzahl tieftönig zu grollen und zu vibrieren an. Das über zwei Seilzüge bestellte Drehmoment, von dem sie übrigens satt viel hat, liefert sie giftig und präzise ab. Die ersten Gänge sind mit Vorsicht zu genießen, besonders, wenn man dem tobenden Stier Freiheit verspricht. Obenrum erfährt man nämlich noch einen Schub an Drehmoment, der einen die Falten unterm Helm glattzieht. Der brodelnde Bass weicht einem gänsehautbescherenden Geschrei und plötzlich macht der Lenkungsdämpfer auch Sinn. Ich lernte, Powerwheelies bei 140 km/h sind für des italienische Triebwerk kein Problem. Kein Sportmotorrad in der 1000ccm Klasse ist anfängergeeignet, doch dieses ganz besonders nicht. Die meisten Vierzylinder haben im Drehzahlkeller noch eine Schonfrist, bevor es richtig ernst wird. Das kennt die 1098 nicht. Zwar hat sie ihre Spitzenleistung ebenso obenrum, bietet jedoch von Anfang an so viel präzises Drehmoment, dass Vorsicht geboten ist. Müsste ich dem Charakter des Testastretta-Evoluzione-Motors einen Namen geben, muss ich an die Worte von Martin denken: "Das Teil ist einfach nur blanke Gewalt.". Ich muss zugeben, ich hatte mich zwar seit meiner ersten Probefahrt so sehr in sie verliebt, dass sie mir 7 Jahre nicht aus dem Kopf ging. Doch die Faszination war definitiv vermischt mit viel Respekt, sie hat's nämlich wirklich faustdick hinter den Ohren. An Sicherheit hat sie nüchtern gesagt genau so viel zu bieten wie ein Vorschlaghammer. Hier zählt nur der Verstand und die Erfahrung.
War sie denn eine vernünftige Anschaffung? Selbstverständlich nicht! Gab es denn Alternativen? Jein, es gibt es von dieser Modellreihe einige verschiedene Varianten. Es gibt kurz gesagt die 848, 1098 und 1198. Warum sticht die 1098S hier besonders heraus? Die 848er kamen für mich nicht in Frage. Keine Trockenkupplung, kein goldenes Fahrwerk und weniger Hubraum. Nicht, dass die Leistung nicht genügen würde, im Gegenteil. Doch hier geht es einfach ums Besitzen und nicht ums Brauchen. Wenn man sich schon der Unvernunft bedient, dann schon richtig! Doch warum dann die 1098 und nicht die um noch 100ccm größeren 1198er Modelle? Noch mehr Leistung, noch satteres Drehmoment und eine Traktionskontrolle für ein Mindestmaß an Sicherheit hätten diese zu bieten. Der Grund mag banal klingen, doch die 11er Modelle sind moderater abgestimmt. Die Gasannahme und Leistungsentfaltung ist weicher, moderner und stimmiger. Die 10er fühlt sich rauer, mechanischer und echter an. Was für viele eher wie ein Nachteil klingt, hat einen ganz besonderen Reiz. Unter Kennern ist die 1098 das letzte Superbike der alten Klasse. Dann darf es auch gerne die roheste Variante sein, wirklich nutzbar ist die viele Leistung auf Landstraßen eh kaum, weshalb man auf das Leistungsplus der 11er getrost verzichten kann.
Doch genug der lobenden Worte, hier mal ganz konkret die alle Nachteile. Das Tankvolumen ist lächerlich gering und der Verbrauch hoch. Bei sportlicher Fahrweise leuchtet nach 120 Kilometer die Reservelampe auf. Die Verkleidungsschrauben werden gerne mal davon- und der Wasserkühler rissig vibriert. Bei den ersten Modellen gab es eine Serie schlechter Kolben und weniger haltbare Kurbelwellenlager. Drei mögliche Stromleckquellen stellen immer mal wieder die Frage in den Raum, ob die Diva nun anspringt oder nicht. Das viele Drehmoment macht sie auf der Landstraße eigentlich übermotorisiert und garantiert regelmäßige Besuche beim Reifenhändler. Sicherheitsfeatures sind lediglich Vernunft und Erfahrung. Der laute, mechanische Klang trifft nicht bei jedem Nachbar auf Wohlwollen und auch die Wartungskosten der Desmodromik sind nicht gering. Eigentlich kann sie nur in drei Sachen punkten, dazu gehört weder Komfort, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit noch Langstreckentauglichkeit.
Dafür aber in Schönheit, Emotionen und Wertstabilität. In den ersten 2 genannten Punkten könnte sie nicht noch besser abschneiden. Da ist sie wirklich das Maß der Dinge.
Es gibt viele bezaubernde Motorradfronten, doch keine besticht mit einer solch einzigartigen Kombination aus fesselnder Schönheit und einem so widersprüchlich bösen Klang.
Viele sportliche Formen sind sexy, doch die maskuline, detailverliebte Linie dieser Ducati ist einzigartig.
Auch den Underseat-Auspuff gibt es bei mehreren Marken und Modellen, doch nicht mit dieser Eleganz und Mächtigkeit, die das Heck der 1098 einzigartig macht.
Ihr glaubt mir nicht? Gebt auf Google Bilder "Schönstes Motorrad der Welt" ein und ihr werdet sie genau so vorfinden wie das Exemplar in meinem Besitz: eine rote 1098S mit goldenem Fahrwerk und Termignoni Auspuffanlage.
Kenner wissen von ihrer Einzigartigkeit, weshalb schon viele dieser Schmuckstücke in den Wohnzimmern von Liebhabern verschwunden sind.
Vielen Dank Bologna für dieses perfekte Beispiel dafür, weshalb Italien international einen so guten Ruf für hervorstechende und emotionale Fahrzeuge hat! Das Gefühl, das für mich schönste Motorrad überhaupt zu besitzen, die staunenden und manchmal auch empörten Blicke der Passanten, wenn sich ihre Köpfe wenden und nach der Quelle dieses wummernden Geräusches suchen, dann jedoch in den anmutig scharfen Blick des Ferraris unter den Motorrädern blicken, ist einzigartig und lässt mich immer wieder über beide Ohren grinsend absteigen. Mehr Ducati im Sinne der Alleinstellungsmerkmale, die der Marke eine große Fanszene beschert hat, gibt es nicht und bekommt man heute auch nicht mehr.
Alles, was danach kam, ist noch immer anders, noch immer ein Blickfang, auch moderner, sicherer, schneller und leistungsstärker. Doch die 10 von 10 ihrer Ära ist ganz klar die Ducati 1098.
Abschließend noch eine kleine Beruhigung für diejenigen, die bei der Beschreibung dieser Unvernunft im Carbonkleid ein mulmiges Gefühl im Magen bekommen haben:
Genau so, wie der Teufel das Weihwasser scheut, hat eine dermaßen von der Hölle besessene Maschine gewiss kein Interesse daran, mich in den Himmel zu schicken!

Zurück von der Weltreise und schon den nächsten Traum erfüllt, an diesem Tag fiel die Entscheidung, die 1098 darf sich mein Eigen nennen!

Carbon- und Goldakzente begleiten die sportliche Linie der 1098S.

Die Detailverliebtheit dieses Motorrads ist immer wieder erstaunlich.

Mächtig. Imposant. Schön.

Das einmalig schön designte Heck mit der Underseat-Auspuffanlage. Wenn man die Dezibeleater entfernt, dann wummert das Teil, als hätte man einen Hubschrauber im Nacken!

Der offene Carbon-Kupplungsdeckel, verziert mit weiteren Goldakzenten.

Die liebevoll eingearbeiteten italienischen Nationalfarben dürfen nicht fehlen.

In den Spiegeln sieht man in der Regel nichts, außer man geht vom Gas.

Die persönliche Note von Mario Ioannoni: die verzwirbelte Schraubensicherung.

Ein Blick auf das Herzstück: Der stehende Zylinder des Testastretta-Evoluzione-Motors.
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Timon Götz